Wann wurde die Ächtungsstrafe Teeren und Federn erstmals urkundlich erwähnt?
Als Richard I. von England 1191 zu seinem Kreuzzug nach Jerusalem aufbrach, gab es für sein Heer die Anweisung: „Concerning the lawes and ordinances appointed by King Richard for his navie the forme thereof was this … item,
a thiefe or felon that hath stolen, being lawfully convicted,
shal have his head shore, and boyling pitch poured upon
his head, and feathers or downe strawed upon the same whereby he may be knowen …“ (aus Hakluyt's Voyages)
Einem Dieb oder Verbrecher sollte also der Kopf geschoren und mit heißem Pech übergossen werden, anschließend wurden Federn darüber gestreut. Das alles diente – neben der Strafe – auch als „Kennzeichnung“, damit Fremde vor
ihm gewarnt seien.
Wer griff in einem Märchen zu dieser Maßnahme?
„Die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, aber als sie da-runter stand, ward statt des Goldes ein großer Kessel voll Pech ausgeschüttet. ‚Das ist die Belohnung für deine Dienste', sagte die Frau Holle und schloss das Tor.“
So nachzulesen in den Märchen der Gebrüder Grimm.
Nun ist
1. Pech nichts anderes als flüssiger Teer und
2. Frau Holle dafür bekannt, dass beim Bettaufschütteln „die Federn wie Schneeflocken umher flogen.“
Daraus kann man schließen, dass sich bei der Pechmarie zum Teer auch die Federn gesellten. Mit nachhaltiger Wirkung: „Das Pech blieb fest an ihr hängen und wollte, so lange sie lebte, nicht abgehen.“
Wo hatte sie ihre Blütezeit?
Bekanntermaßen im Wilden Westen. Obwohl das Teeren und Federn in den noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika keine offizielle Strafe war, kam es doch gerade hier im Rahmen einer Lynchjustiz sehr oft zur Anwendung – oftmals mangels vorhandener Infrastruktur. Die Utensilien hatte man rasch zur Hand: Teer wurde zum Abdichten der Häuser benötigt und Nutzgeflügel war in jeder Ansiedlung reichlich vorhanden. Britische Soldaten hatten die Strafe „importiert“, um damit u. a. den Verrat in den eigenen Reihen zu ahnden.
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Täter Kim Schmitt
Opfer Jürgen Bohl
Voyeur Claus Dieter Geissler
Quelle magazinXY.de





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Jürgen Bohl, Wortpate von “geteert und gefedert” (www.wortpatenschaft.de),
hat sich diese Fragen auch selbst gestellt. Die Antworten finden Sie per Rollover oder alle Fragen und Antworten als PDF (44 KB).
Warum ist das Teeren und Federn heute ausgestorben?
„Gammelfleisch-Lieferanten an den Pranger?“ – so eine Schlagzeile, die die aktuelle Diskussion um die Bestrafung
von kriminellen Lebensmittelhändlern wiedergibt. Der Pranger – ebenfalls eine mittelalterliche Ächtungsstrafe – ist hier (leider) nicht wörtlich gemeint. Hinter der Forderung verbirgt sich lediglich die Veröffentlichung der Namen von Betrieb und Besitzer.
„Gammelfleisch-Lieferanten – geteert und gefedert“ wäre
doch eine überlegenswerte Alternative. Das dies geschieht,
ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Denn
Wie wurde die Strafe ausgeführt?
In den härteren Fällen hat man den Delinquenten (meist Diebe oder Falschspieler) komplett entkleidet und mit heißem, flüssigem Teer übergossen. Die Federn wurden anschließend über ihn geschüttet oder er musste sich darin wälzen. Auf die Strafe folgte oftmals der Spott – und der Bestrafte wurde auf einem Holzbalken oder einer Schiene sitzend aus dem Ort hinausgetragen und in die Verbannung geschickt.
Zumeist wählte man jedoch die etwas sanftere Variante, bei der der Übeltäter die Kleidung (zumindest die Unterwäsche) anbehalten durfte. Durch Hände, Kopf und Hals kam jedoch immer auch seine Haut mit dem Teer und den Federn in Berührung.
Was waren ihre Auswirkungen?
Geht man davon aus, dass Teer bei ca. 60 º C schmilzt,
dürfte es zu Verbrennungen 1. und 2. Grades gekommen sein. In beiden Fällen sind Rötungen und Schwellungen der Haut sowie Schmerzen und Blasenbildungen die Folge. Da
alle Erscheinungen komplett reversibel waren, traten keine bleibenden gesundheitlichen Schäden auf. Jedoch erforderte die Reinigung einen großen Aufwand: Es vergingen zumeist einige Tage, bis alle Spuren komplett beseitigt werden konnten.
Welcher Literat beschrieb sie?
„Die Methode Doktor Theer und Professor Feddern“ ist der Titel einer Erzählung des amerikanischen Dichters Edgar Allen Poe. Darin reist der Protagonist im 19. Jahrhundert durch Südfrankreich; ein Weggefährte weckt seine Neugier durch die Berichte über eine „private Irrenanstalt“, in der eine neue, sanfte Therapie erprobt wird. Der Ich-Erzähler erhält Zutritt zu dem Maison de Santé - und trifft dort auf eine äußerst kuriose Gesellschaft. Nach der Behandlungsart befragt, ver-weist der vermeintliche Chefarzt auf die Werke von Doktor Theer und Professor Feddern. In Edgar Allen Poes Geschichte wird diese höchst unsanfte Methode jedoch nicht von den Ärzten, sondern von den Patienten angewendet, die zuvor
das Personal in ihre Gewalt gebracht hatten.
„Nachdem man die Wärter, zehn an der Zahl, plötzlich überrumpelt hatte, waren diese zuerst tüchtig eingeteert, sodann sorgsam gefedert und hernach in unterirdische
Zellen eingesperrt worden. Über einen Monat hatte man sie so gefangen gehalten, während welcher Zeit ihnen Monsieur Maillard großzügigerweise nicht nur Teer und Federn zuge-standen (worin seine „Methode“ bestand), sondern auch
etwas Brot und Wasser im Überfluss.“
... sucht den Weihnachtsmann von Frau Michalak frei nach den Gebrüder Grimm
Der Weg der Pechmarie von einem faulen Mädchen zur Glücksmarie auf der Suche nach dem Weihnachtsmann. PDF (58 KB)